Die Praxishygiene ist ein wichtiger Teil der täglichen Arbeiten in einer Zahnarztpraxis. Um eine Infektübertragung auszuschliessen muss der Hygieneplan von allen Mitgliedern des Praxisteams lückenlos eingehalten werden. Praxishygiene ist nicht nur ein peripherer Teil der Dienstleistung des Zahnarztes, sondern eine Verpflichtung.

Durch Schutzmassnahmen soll der Kontakt mit Blut und Körperflüssigkeiten so weit wie möglich vermieden werden. Eine periodische Schulung des Personals und Hygienekontrollen sollen eine konsequente Durchsetzung des Hygienekonzepts gewährleisten. Ein schriftlich festgelegter und für alle zugänglicher Hygieneplan regelt Art, Umfang und Verantwortung für die einzelnen Hygienemassnahmen. Sämtliche Arbeitsabläufe sollen so organisiert werden, dass bei jedem Schritt das Infektionsrisiko minimal ist.

Hygiene-Konzept

Trotz ausgefülltem und unterschriebenem Anamneseblatt kann es sein, dass der Patient selbst nicht weiss, dass er Träger einer Krankheit ist. Für alle Patienten wird deshalb derselbe Hygienestandard gefordert. Es gibt also keine speziellen Risikopatienten. Die Massnahmen sind gleichermassen für den Schutz von Patienten wie auch für den Schutz des Praxisteams ausgelegt.

Es gilt deshalb, dass das Hygiene-Konzept sowie der Hygieneplan allen Mitgliedern bekannt ist und grundsätzlich von allen eingehalten wird. Nicht vergessen werden darf die Reinigungsfee, da auch sie sich an die in der Praxis geltenden Hygienerichtlinien halten muss.

Eine wichtige Voraussetzung zur Umsetzung des Hygienekonzeptes ist die Aufteilung der Zahnarztpraxis in eine Klinikzone (Behandlungsräume, Instrumentenaufbereitung) und übrige Räume. Der Instrumentenaufbereitungsraum soll in drei Zonen eingeteilt sein (farblich markiert):

Rot    =  kontaminierte Zone

Gelb  =  hygienische Zone

Grün =  sterile Zone

Händehygiene

Bei Beginn und nach Abschluss der Behandlungsperiode (Morgen, Mittag, Abend oder sichtbaren Verschmutzungen) werden die Hände mit Seife und kaltem Wasser gereinigt (warmes Wasser öffnet die Poren), alle Seifenreste gründlich abgespült und mit Einweghandtüchern getrocknet.

 

Danach folgt die hygienische Händedesinfektion mit einem registrierten, alkoholischen Präparat vor und nach jeder Behandlung, bei Arbeitsunterbrüchen und Handschuhwechsel. Beachten Sie die 6 Schritte der Einreibemethode. Damit die Einwirkzeit gewährleistet ist, müssen die Hände 30 Sekunden feucht bleiben (bei Bedarf erneut Desinfektionsmittel dazunehmen) danach Hände reiben (nicht schütteln) bis sie trocken sind. Nur so können die rückfettenden Substanzen ihre Wirkung entfalten und ihre Hände vor Hautschädigungen schützen. Beachten Sie, dass das Händedesinfektionsmittel eine gebrauchsfertige Lösung ist und durch Restfeuchte nach dem Händewaschen verdünnt wird.

Selbstverständlich trägt das gesamte Praxisteam während der Behandlung keine Ringe, Uhren oder Armbänder und die Haare sind zusammengebunden.

Handschuhdesinfektion Ja oder Nein?

Die SSO schreibt dazu im Internum vom 01/2018 folgendes: Neu wird die Handschuhdesinfektion weggelassen. Es gibt weder ein Verbot, die Handschuhe zu desinfizieren noch eine explizite Empfehlung, die Handschuhe nicht zu desinfizieren. Die Desinfektion geschieht in der Verantwortung der Person, die sie vornimmt, wobei Reihenuntersuchungen nicht mit normalen Einzeluntersuchungen zu verwechseln sind. Bei Reihenuntersuchungen wird festgelegt, dass nach maximal sechs Kindern der Handschuh auf jeden Fall zu wechseln ist.

Lassen Sie gesunden Menschenverstand walten und beachten Sie vor allem, dass während einer Behandlung keine Materialien aus Schubladen oder Schränken ohne Pinzette nachgereicht werden. Mit einer wohlüberlegten Arbeitsplatzvorbereitung wird dies auf ein Minimum beschränkt.

Oberflächendesinfektion

Es ist damit zu rechnen, dass sich durch Aerosol und Kontakt während der Patientenbehandlung mit Blut vermischter Speichel über das Behandlungsareal ausbreitet (ca. 2 Meter Durchmesser).

So kontaminierte Arbeitsflächen und Möbel werden beim Patientenwechsel mit einem alkoholischen Desinfektionsmittel dekontaminiert. Dabei ist auf ein breites Wirkungsspektrum, kurze Einwirkzeit, irreversible Wirkung sowie Materialverträglichkeit zu achten.

Mit einem geeigneten Oberflächendesinfektionsmittel getränktem Einmaltuch werden die Oberflächen vollständig und systematisch benetzt und sichtbare Verschmutzungen wie Blutspritzer etc. entfernt.

Entsorgung von Abfällen nach der Behandlung

Abfälle ohne Infektions- und Verletzungsgefahr, wie Servietten, Verpackungsmaterial usw., werden wie Haushaltabfälle der Kehrichtabfuhr mitgegeben. Feste Abfälle mit Infektionsgefahr, wie mit Blut oder Speichel behaftete Tupfer, Speichelzieher usw., werden im Doppelsacksystem entsorgt, d.h. Sie packen die kontaminierten Materialien mit den Einweghandschuhen und platzieren diese während des Ausziehens im Inneren der Handschuhe (doppelte Verpackung) und darf im normalen Abfall entsorgt werden.

Instrumenten-Desinfektion und Reinigung

Ziel der Desinfektion ist eine Keimreduktion (ohne Sporen) um mind. 5 Log-Stufen zu erreichen. Durch eine Sterilisation werden nicht nur Viren, vegetative Bakterien-Zellen und Pilze, sondern auch Bakterien-Sporen um mind. 6 Log-Stufen inaktiviert. Sterilisation schliesst Desinfektion und Reinigung vor der Sterilisation, den eigentlichen Sterilisationsprozess und die Lagerung nach der Sterilisation ein.

Da in der zahnärztlichen Praxis die Zahl der Wegwerfartikel sinnvollerweise beschränkt bleiben muss, werden die meisten Instrumente wiederverwendet. Sie werden vor erneutem Einsatz sterilisiert. Die Instrumentenaufbereitung erfolgt in drei Phasen:

  1. a) Desinfektion gebrauchter Instrumente,
  2. b) Reinigung, Kontrolle und Verpackung der Instrumente und
  3. c) Sterilisation und Lagerung bis zur nächsten Verwendung.

Diese Tätigkeiten sollen in drei Bereichen abgewickelt werden, die optimalerweise vom Behandlungsplatz räumlich getrennt sind. Wenn der Bereich für die Desinfektion in der Nähe des Behandlungsplatzes ist (z.B. in Klinikräumen), soll er davon deutlich abgegrenzt werden.

Laut Swissmedic Richtlinien soll die Umlagerung kontaminierter Instrumente mit dicken Haushalt-handschuhen durchgeführt werden. Da das Innere der Hauhalthandschuhe jedoch ein Tummelplatz für Bakterien ist (Dunkelheit, Wärme, Feuchte) empfehle ich die kontaminierten Instrumente etc. mit einer Instrumenten Greifzange in das Desinfektionsbad oder den Thermodesinfektor umzuräumen. Selbstverständlich werden beim Gebrauch einer Instrumenten Greifzange auch Einweghandschuhe getragen. Diese Vorgehensweise garantiert Ihnen keinen direkten Kontakt mit kontaminierten Instrumenten und verhindert auf effektive Weise Schnitt- oder Stichverletzungen.

Die Desinfektion der Instrumente erfolgt entweder durch Thermodesinfektion (thermo-chemisch) bei 93°C für 10 Minuten, oder durch eine Tauchdesinfektion in der Desinfektionswanne. Dazu werden die Instrumente vollständig eingetaucht. Die minimale Einwirkungszeit für die jeweilige Konzentration des Desinfektionsmittels muss unter kontrollierten Bedingungen (z.B. Stoppuhr) eingehalten werden.

Nach der Desinfektion erfolgen die Reinigung, Kontrolle und Pflege der Instrumente, bevor sie verpackt (Klarsichtsterilisierbeutel oder Tray) werden. In diesem Bereich kann ohne Handschuhe, jedoch mit korrekt desinfizierten Händen gearbeitet werden.

Sterilisation

Nach der Desinfektion und Reinigung werden die Instrumente im Autoklaven entsprechend Herstellerangaben sterilisiert. Je nach Praxis wird hierfür das Universal- oder Prionen Programm verwendet. Falls ihr Autoklav über ein Schnellprogramm verfügt, dürfen Sie dieses nur für unverpackte Instrumente verwenden (keine Hohlkörper wie Winkelstücke etc.!) Unverpackt sterilisierte Instrumente werden nur als hygienisch aufbereitet betrachtet.

Jeder Sterilisationszyklus wird mit einem Indikator überprüft und anschliessend dokumentiert (Datum, Verlauf, Kontrolle, Operator). Die kontrollierten Indikatoren müssen nicht aufbewahrt werden (nicht zu verwechseln mit dem Ausdruck über den korrekten Ablauf des Sterilisationszyklus). Es genügt, wenn das Ergebnis des Indikators im Sterilisationsprotokoll eingetragen und mit dem Visum bestätigt wird. Die Charge darf nur freigegeben werden, wenn die sterilisierten Verpackungen trocken und unversehrt sind. Nasse Verpackungen sind durchlässig für Keime und nicht als steril anzusehen.

 

 

 

Zur Chargenfreigabe können Barcode-Etiketten ausgedruckt werden. Wichtige Daten wie Gerätename, Seriennummer, Aufbereitungsdatum, Haltbarkeitsdatum, Chargennummer und freigebende Person werden automatisch auf ein Aufklebeetikett übertragen. Der Benutzer ist so in der Lage, die geforderte Kennzeichnung der freigegebenen und verpackten Instrumente mit einer beliebigen Anzahl gedruckten Etiketten durchzuführen.

 

 

 

 

 

Mittels eines Barcodes-Scanners können diese Daten direkt in die digitale KG eingelesen werden.

 

 

 

Die Umsetzung einer konsequenten Praxishygiene sollten Sie als Element der kontinuierlichen Verbesserung und Weiterentwicklung Ihrer Praxis ansehen. Sie zeigt Ihnen und Ihrem Team, ob entscheidende Massnahmen zum Patienten- und Personalschutz, insbesondere im Sinne der Infektionsprävention, beachtet und richtig umgesetzt werden. Sich daraus ergebende Verbesserungspotenziale zielen insbesondere auf eine Steigerung von Hygienestandards und Sicherheit in Ihrer Praxis ab.

Hygienekurse in Luzern: http://dentaltraining.ch/hygienemassnahmen-aus-der-praxis-fuer-die-praxis/

 

Literaturverzeichnis:

Kurs Hygienemassnahmen dentaltraining GmbH

Swissmedic Richtlinien «Gute Praxis»

SSO Praxishygiene

SSO Internum 01/2018

 

Bildquellen:

Schülke & Mayr AG

dentaltraining GmbH

gke

W&H

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.